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Sucht in der Familie

Kennst du dieses Gefühl? Gerade jetzt hat es dich wieder beschlichen. Du liest den Titel, du siehst, dass hier was geschrieben ist für Menschen, deren Eltern Suchtprobleme haben. Du bist hin und her gerissen. Geht mich das etwas an? Etwas stimmt nicht mit Mutter oder Vater, ich ahne, dass da was nicht stimmt. Aber geht es bei uns gleich um Sucht? Schliesslich wurde dieses Wort in unserer Familie nie ausgesprochen und es läuft ja alles meist ein wenig verdeckt ab. Aber hier diesen Text zu lesen, macht auch ein seltsames Gefühl. Tue ich meinen Eltern unrecht, darf ich das überhaupt?

Ja, du darfst! Du spürst deutlich, dass etwas nicht stimmt. Du hast diese Ahnung, dass Alkohol oder andere Drogen das Problem sind. Nimm deine Gefühle ernst, du hast auf jeden Fall ein Recht darauf!

UND: Dir geht es ähnlich wie tausenden von anderen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Schweiz. Sie alle wissen nicht so recht, ob sie ihrem unguten Gefühl trauen können. Sie alle fühlen sich schlecht, wenn sie sich über das Problem ‚süchtige Eltern‘ zu informieren beginnen. Sie alle leiden unter der Situation zu Hause und wissen nicht recht, wo sie anfangen können, und wie sie einen Weg aus dieser Situation finden.

Aus vielen Erfahrungen, die wir gemacht haben, möchten wir dir einige Tipps geben:

  1. Traue deinem Gefühl, dass was nicht stimmt. Nimm es ernst!
  2. Beginne, dich über das Thema zu informieren. Es gibt Bücher dazu.
  3. Jetzt ist für dich klarer, dass es sich bei den Problemen in deiner Familie wirklich um Suchtprobleme handelt. Mach dir klar: Du bist in keiner Weise daran Schuld, im Gegenteil: du kannst nichts dafür und du leidest darunter.
  4. Es ist Zeit, mit einer Person, der du vertraust, darüber zu sprechen. Dies kann in der Familie sein (Bruder, Schwester, Gotte...). Werde erst einmal los, was dich beschäftigt. Such dir dazu einen guten Rahmen aus, wo du dich wohl fühlst.
  5. Mach dir klar, dass das schlechte Gewissen, das du dabei verspürst (‚bin ich ein Verräter?‘) in deiner Situation völlig normal ist: Trotzdem ist es für dich und deine Zukunft wichtig, dass du darüber sprichst. Du machst das absolut richtig.
  6. Besprich dich immer wieder mit deiner Vertrauensperson, bis für dich das Gespräch über die Sucht deines Vaters/deiner Mutter ‚normaler‘ geworden ist.
  7. Wenn du weiterhin unter der Situation leidest: nimm professionelle Hilfe in Anspruch. Schreib uns ein Mail oder ruf an für einen Termin. Zu einem Gespräch kannst du, wenn du möchtest, auch deine Vertrauensperson mitnehmen.
  8. Aus Erfahrung wissen wir: Jugendliche und junge Erwachsene können die Probleme, die in Zusammenhang stehen mit der Sucht von Eltern/teilen verarbeiten und ein normales, zufriedenes Leben führen.